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Die Geschichte von Tom Kätzchen

Beatrix Potter

Die Geschichte von Tom Kätzchen

In einem kleinen Haus, das an einen grünen Garten grenzte, lebte Frau Tabitha Twitchit, eine Katzenmutter, mit ihren drei ungezogenen Kätzchen: Moppet, Mittens und Tom Kätzchen. Eine Teeparty stand bevor, und Mama wollte, dass alles ordentlich und hübsch war.

"Steht still, meine Kleinen", sagte Frau Tabitha. Sie wusch Nasen und Pfoten und kämmte ihre weichen Schnurrhaare. Danach zog sie ihnen feine Kleider an. Moppet bekam ein weißes Kleid mit einer Schürze. Mittens bekam ein blaues Kleid mit einer Schleife. Und Tom bekam einen blauen Anzug mit glänzenden Knöpfen, die in der Sonne glitzerten.

"Geht jetzt raus in den Garten und haltet euch sauber, bis die Gäste kommen", sagte sie. "Kein Unfug!"

"Ja, Mama!", antworteten die Kätzchen und tapsten hinaus.

Der Garten duftete herrlich. Schmetterlinge flatterten, Hummeln summten, und das Gras kitzelte unter den Pfoten. Die Kätzchen versuchten, artig zu gehen, aber die Kleider saßen etwas eng. Tom zupfte an seiner Hose. Die Knöpfe an der Weste glänzten, und er fühlte sich schick. "Schaut mich an!", sagte er und machte einen kleinen Hopser.

Sein Hopser war größer ausgefallen, als er beabsichtigt hatte. Plopp! Ein Knopf flog davon. Moppet lachte. "Nicht rennen!", flüsterte Mittens, aber bald jagten alle drei einem gelben Schmetterling um den Fliederbusch hinterher. Sie rollten über einen weichen Grashügel. Plopp, plopp! Weitere Knöpfe sprangen los. Toms Hose rutschte herunter, und die Weste sprang auf.

"Oh nein!", sagte Tom und versuchte, seine Hose hochzuziehen, aber sein Gürtel war verschwunden. Die Kätzchen hielten inne und sahen sich an. Ihre Knie waren schmutzig. Toms feine Kleider lagen in einem kleinen Haufen im Gras.

Dann erklang ein leises Plätschern vom Teich. Eine Reihe Enten kam zwischen den Bäumen dahergewatschelt. Sie schnatterten und wippten mit den Hälsen. "Quack?", sagte die erste Ente und schaute neugierig auf Toms Kleider.

"Die gehören mir", sagte Tom schüchtern und versuchte, sich hinter Moppet zu verstecken.

Aber die Augen der Enten glitzerten. Sie fanden, die Kleider sahen sehr fein aus. Sie hoben den Mantel, die Weste und die Hose mit ihren Schnäbeln auf und begannen, sie anzuprobieren. Oh, wie albern das aussah! Die Hosen waren zu kurz für lange Entenbeine. Die Weste wollte nicht über eine runde Entenbrust zugehen. Der Mantel hing ihnen vorne und hinten herunter. Die Enten watschelten trotzdem stolz daher, als ob sie Herren auf einem Spaziergang wären.

Die Kätzchen lachten, aber dann drang Mamas Stimme aus dem Haus zu ihnen. "Meine Kleinen! Wo seid ihr?"

Frau Tabitha kam auf die Veranda, eine Schürze tragend und mit strengem Blick. Sie sah die schmutzigen Kätzchen und die albernen Kostüme der Enten. "Nein, nein, nein!", rief sie und rannte den Enten nach. "Gebt Toms Kleider zurück!"

Die Enten erschraken und begannen zu flüchten. Sie watschelten schneller und schneller zum Teich. Plopp! Ein Knopf flog davon. Flapp! Ein Hosenbein fiel ab. Platsch! Die Weste purzelte ins Wasser. Bald schwammen Knöpfe und Stoffstücke zwischen den Seerosenblättern. Die Kleider waren nun fort.

Frau Tabitha stampfte leicht auf den Kies, aber sie seufzte eher. "Rein mit euch", sagte sie ruhig zu den Kätzchen. "Es ist wieder Waschtag."

Sie wusch sie in warmem Wasser, trocknete sie sanft ab und zog ihnen ihre Nachthemden an. "Ab ins Bett mit euch", sagte sie freundlich, aber bestimmt. "Ihr könnt einen anderen Tag aufbleiben." Als die Gäste kamen, summte sie und lächelte höflich. "Die Kleinen sind heute leider indisponiert", sagte sie und servierte Tee und Gebäck.

Moppet, Mittens und Tom blieben nicht lange still. Sie tapsten aus den Betten und lugten durch das Treppengeländer nach unten. Sie sahen Hüte und Tassen, Zuckerwürfel und Marmelade. Als niemand hinsah, flüsterte Tom: "Sollen wir?" Und dann rutschten sie – leise wie Schatten – das Treppengeländer hinunter, pling! Bums! Direkt auf den weichen Flurteppich. Sie kicherten so, dass ihre Schnurrhaare zitterten.

Nach der Teeparty holte Frau Tabitha sie ab und umarmte sie, etwas müde. "Meine kleinen Racker", sagte sie. "Morgen spielen wir wieder draußen. Aber an diesem Tag keine feinen Kleider."

Und seit jenem Tag, auch wenn sie wuchsen und trittsicherer wurden, wurden Tom, Moppet und Mittens nie wieder in so feine Kleider gesteckt. Denn Knöpfe können springen, Entenschnäbel sind neugierig, und Gärten sind zum Spielen gemacht.

Boky

Ende

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