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Die verschwundene Tasche

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Die verschwundene Tasche

In der Ahornstraße war die Luft hell und geschäftig. Musik klang fröhlich vom Straßenfest, und bunte Kreidezeichnungen bedeckten den Bürgersteig.

Ein Krankenwagen rollte herein, glänzend und ordentlich. Seine Lichter zwinkerten in der Sonne. Die Sanitäter Jade und Marco winkten aus den offenen Türen. Sie hatten ein ruhiges Lächeln und schnelle, vorsichtige Hände.

Tessa, die Rätsel liebte, zog ihren kleinen Bruder Niko zum Krankenwagen. Sie mochte das weiche Piepen drinnen und die ordentlichen Regale mit hilfreichen Dingen. Sie mochte, wie Jade und Marco mit freundlichen, steten Stimmen sprachen.

„Möchtet ihr unsere Trost-Tasche sehen?“, fragte Jade. „Sie hat Dinge, die besorgten Kindern helfen, sich tapfer zu fühlen. Aufkleber, einen winzigen Teddy namens Knopf und Seifenblasen.“

Jade griff nach einer weichen blauen Tasche. Ihre Hand berührte leeren Raum.

Ihre Augenbrauen hoben sich sanft fragend. „Hmm. Wo ist sie hin? Marco, die Trost-Tasche fehlt.“

Eine fehlende Tasche! Tessas Augen funkelten. Ein Geheimnis.

Niko zeigte auf die Stufe des Krankenwagens. „Stern!“ Ein winziger goldener Aufkleber glänzte auf dem Metall.

Jade nickte. „Hinweis Nummer eins.“

Sie schauten sich auf dem Fest um. Leute lachten am Limonadenstand. Ein Radio spielte ein fröhliches Lied. Ein freundlicher Hund wedelte nahe dem Bäckerei-Zelt. Über das Gras sprühte der Wasserspielplatz winzige Regenbögen.

„Wenn die Tasche weggelaufen ist, welchen Weg würde sie gehen?“, fragte Marco lächelnd.

Tessa kauerte sich tief nieder. Auf dem Boden lag ein weiterer goldener Stern, dann noch einer, wie ein kleiner Pfad. „Diesen Weg!“, sagte sie. Die Aufkleberspur führte sie zum Limonadenstand.

Bei einem Stapel Pappbecher fand Tessa einen Seifenblasenstab mit glitschigen Tropfen an der Spitze. „Hinweis Nummer zwei“, sagte sie. „Seifenblasen. Die Tasche hat Seifenblasen.“

Niko kicherte. „Plopp, plopp!“

Sie folgten nassen Flecken zum Bäckerei-Zelt. Krümel lagen auf dem Tisch verstreut. Ein blauer Riemen rollte sich unter ein Stuhlbein, als ob eine Tasche vorbeigestreift wäre.

„Hinweis Nummer drei“, sagte Marco. Er tippte auf den Riemen. „Unsere Tasche ist blau.“

Gerade dann erhob sich ein kleiner Schrei vom Wasserspielplatz. Ein kleiner Junge war ausgerutscht. Er saß auf dem Boden, überrascht, mit einer roten Schramme am Knie.

Jade bewegte sich schnell, aber sanft. „Wir können genau hier helfen“, sagte sie dem Jungen und seinem Papa. „Großer Atemzug ein. Großer Atemzug aus. Genau so!“ Sie reinigte das Knie mit kühlem Wasser aus ihrer Flasche. Der Junge kniff seine Augen fest zu.

„Ich wünschte, wir hätten die Trost-Tasche“, sagte Jade leise zu Tessa. „Knopf, der Teddy, ist so gut für tapfere Umarmungen.“

Tessa richtete sich auf. „Wir werden sie schnell finden.“

Sie schaute links, dann rechts. Sie lauschte. Irgendwo nah kam ein quietschendes Geräusch, schnell und verspielt, wie das einer Gummiente. „Hinweis Nummer vier!“, flüsterte sie. „Die Tasche hat ein Quietschspielzeug.“

Das Geräusch kam von hinter dem Bäckerei-Zelt. Tessa lugte um die Ecke.

Da saß Benny, der Bäckereihund, weich wie ein Laib und doppelt so wackelig. Er war sehr zufrieden mit sich selbst. Eine blaue Tasche saß bei seinen Pfoten, und in seinem Maul quietschte eine gelbe Ente, als er kaute.

Niko klatschte. „Benny hat es gefunden!“

„Benny hat es geborgt“, sagte Tessa. Sie erinnerte sich, wie ihre Lehrerin ihr Klassenmeerschweinchen dazu brachte, einen Klotz gegen eine Karotte zu tauschen. Tauschgeschäfte funktionierten besser als Nehmen.

Tessa hielt den Seifenblasenstab hin. „Hey, Benny“, sagte sie mit einer warmen Stimme. „Willst du Seifenblasen?“

Bennys Ohren spitzten sich. Er schnüffelte. Jade holte eine winzige Flasche Seifenblasenmischung aus der Tasche. Marco, der Hunde kannte, kauerte sich tief und still hin. „Sitz, Kumpel“, sagte er.

Benny saß. Tessa blies eine sanfte Seifenblase. Sie trieb wie ein glänzender Seifenballon. Benny schaute zu, Augen weit. Die Ente quietschte noch einmal, als er sein Maul öffnete, um der Seifenblase zu folgen.

Plumps! Die Ente fiel. Jade schnappte sich die blaue Tasche.

„Guter Hund“, sagte Marco und kraulte Bennys Kinn. „Danke für den Hinweis.“ Er gab Benny ein kleines Hundeleckerli aus seiner Tasche. Bennys Schwanz pochte wie eine glückliche Trommel.

Sie eilten zum Wasserspielplatz zurück. Jade kniete bei dem Jungen. „Ich habe Knopf mitgebracht“, sagte sie und hielt den winzigen Teddy hin. Der Junge umarmte ihn. Marco tupfte Medizin auf und drückte einen quadratischen Verband mit einem goldenen Stern fest. Niko blies Seifenblasen, die im Wind zerplatzten.

Die Tränen des Jungen wurden weniger. Er nahm einen riesigen Atemzug ein und einen riesigen Atemzug aus. „Ich bin okay“, sagte er überrascht.

Jade lächelte Tessa an. „Fall gelöst. Freund hat geholfen.“ Sie platzierte einen glänzenden Aufkleber auf Tessas Hemd. Auf ihm stand „JR. HELFER“ in hellen Buchstaben.

„Wie wusstest du, wo du suchen musst?“, fragte der Papa des Jungen.

Tessa zählte an ihren Fingern. „Aufkleber zeigten einen Pfad. Seifenblasen wiesen den Weg. Ein blauer Riemen sagte uns die Farbe, und ein Quietschen verriet uns, wer es war. Benny mag Quietschspielzeug!“

Die Musik begann wieder. Jade und Marco zeigten den Kindern das weiche Piepen eines Herzmonitors und wie die Trage so sanft rollte. Sie übten ein Rätsel mit den Kindern: „Welches Geräusch machen wir, damit Autos zur Seite fahren?“

Leute riefen zurück, zusammen lachend: „Tatu-tata! Macht Platz!“

Die Lichter des Krankenwagens blinkten einmal, freundlich und hell. Tessa schaute auf die blaue Tasche, sicher an ihrem Haken, und auf Knopf, der darin steckte. Sie fühlte sich warm und leicht.

Geheimnis gelöst. Helfer halfen. Die Ahornstraße tanzte weiter.

Boky

Ende

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