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Im Wald verloren

Elsa Beskow

Im Wald verloren

Einst lebte Prinzessin Sylvie in einem hohen weißen Schloss, das an einem tiefen, flüsternden Wald lag. Sie hatte einen kleinen braun-weißen Hund namens Oskar, der gerne hinter ihren Fersen hertrottete und mit dem Schwanz wedelte.

Eines hellen Morgens gingen Sylvie, Oskar und die Amme am Waldrand spazieren. Sonnenlicht malte goldene Flecken auf den Weg, und Schmetterlinge tanzten in der Luft. „Bleib in der Nähe, Prinzessin", sagte die Amme. Sylvie nickte und hielt Oskars rote Bandleine fest.

Plötzlich trat ein scheues Reh zwischen den Bäumen hervor. Seine Ohren zuckten, und es schaute Oskar an. Mit einem freudigen Bellen riss sich Oskar los und jagte dem Reh nach. „Oskar! Komm zurück!", rief Sylvie. Sie rannte ihm nach, tiefer und tiefer in den Wald, zwischen Farnen und weichem Moos. Die Bäume ragten immer höher auf. Der Pfad wurde schmaler und verschwand schließlich ganz.

Endlich hielt Sylvie an. Der Wald fühlte sich groß und still an. Sie konnte die Amme nicht sehen. Auch das Schloss war nicht mehr zu sehen. Das Reh war verschwunden. Sylvies Lippe zitterte, aber sie stand ganz still und rief: „Oskar!" Einen Moment später schob er sich durch die Farne, den Schwanz wedelnd. Er leckte ihre Hand, als wolle er sagen: Ich bin hier.

„Sind wir verloren?", flüsterte Sylvie. Oskars Ohren zuckten bei jedem Geräusch. Ein Specht klopfte. Blätter raschelten. Dann sagte eine freundliche Stimme: „Na, wer bist du denn?" Ein Holzfäller trat aus den Bäumen hervor, ein Bündel Stöcke auf dem Rücken und eine Axt über der Schulter. Seine Augen waren freundlich.

„Ich bin Prinzessin Sylvie", sagte sie und wischte sich eine Träne weg. „Ich bin meinem Hund gefolgt. Jetzt kenne ich den Weg nicht." Der Holzfäller lächelte sanft. „Meine Hütte ist in der Nähe. Komm mit mir und ruhe dich aus. Wir werden deinen Weg bald wiederfinden." Er streckte seine Hand aus, und Sylvie nahm sie. Oskar trottete dicht an ihrer Seite.

Die Hütte war klein und warm, mit einer niedrigen Tür und Rauch, der sich aus dem Schornstein kräuselte. Die Frau des Holzfällers brachte einen Hocker, eine Tasse süßer Milch und eine dicke Scheibe Schwarzbrot mit Honig. „Da, da", sagte sie und band ein Band aus ihrem Korb in Sylvies Haar. Zwei Kinder lugten hinter dem Tisch hervor und winkten schüchtern. Oskar schnüffelte an einer Katze, die am Herd schlief, und wedelte höflich.

Sie hatten gerade ihr Brot gegessen, als Oskars Ohren plötzlich hochschossen. Weit entfernt erklang eine Trompete – ein klarer Ruf, dann noch einer. „Jagdhörner", sagte der Holzfäller. „Jemand ist auf der Suche." Oskar bellte und hüpfte zur Tür. Der Holzfäller nahm Sylvies Hand noch einmal und führte sie nach draußen zum Waldrand.

Durch den Wald ritt der König mit seinen Reitern, Umhänge leuchtend gegen das Grün. Er sah Sylvie, sprang von seinem Pferd und schloss sie in seine Arme. „Meine kleine Prinzessin!", rief er. „Oskar, kluger Hund!" Er verneigte sich vor dem Holzfäller und seiner Frau. „Danke für eure Freundlichkeit", sagte er. „Ihr habt unsere Sylvie in Sicherheit gebracht."

„Bitte kommt zum Schloss", sagte der König. „Ihr müsst unsere Gäste sein." Also ritten sie alle zusammen zurück – Sylvie kuschelig vor ihrem Vater, Oskar stolz sitzend, die Familie des Holzfällers breit lächelnd. Im Schloss empfing sie die Königin mit einer glücklichen Umarmung. Ein Tisch voller warmer Suppe, süßer Kuchen und Beeren wartete bereits auf sie. Es gab ein helles neues Halsband für Oskar, feste Stiefel für die Kinder des Holzfällers, einen weichen Schal für die Frau und einen feinen Umhang für den Holzfäller.

An diesem Abend, als die Sterne am Himmel erschienen, steckte Prinzessin Sylvie Oskar in seinen Korb. „Heute fühlte sich der Wald sehr groß an", flüsterte sie, „aber es gibt gute Freunde darin." Oskar wedelte mit dem Schwanz. Und von da an, wenn Sylvie am Waldrand vorbeiging, hielt sie die Leine ihres Hundes fest und erinnerte sich immer an die freundliche kleine Hütte im Wald.

Boky

Ende

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